Die fünf größten Sorgen werdender Eltern im Landkreis Schwäbisch Hall

Bianca Preuninger vom Diakonieverband Schwäbisch Hall berät Paare vor, während und nach der Schwangerschaft. Sie weiß: Elternsein ist hart. Aber sie hat Tipps für schwere Zeiten. Artikel von Janine Höfler (Haller Tagblatt erschienen am 15.08.2026)

Es ist sehr schwer, eine Familie zu werden“, weiß Bianca Preuninger aus Erfahrung. Sie ist Fachbereichsleitung Schwangerenberatung beim Diakonieverband im Landkreis Hall. Beratungsgespräche mit ihren Klientinnen und Klienten haben ihr gezeigt: Die romantische Vorstellung der Familie im Babyglück, in der die Kinder nur lachen, beide Eltern in Topform sind und jeden Sonntag Familienausflüge anstehen, entspricht nur selten der Realität.
Preuninger kennt die Sorgen, die werdenden Eltern die Schwangerschaft schwer machen können. Aber sie weiß auch: Es gibt Lösungen und Wege, damit umzugehen. Fachbereichskollegin Nadine Schreiterer hat dazu kürzlich einen Online-Vortraggehalten.

Immer mehr Eltern in existenzieller Not
„Familien, die aus finanziell schwierigen Situationen kommen, beschäftigt vor allem dieFrage, wie sie den Kühlschrank voll bekommen sollen“, berichtet Preuninger. Dass Elternmit existenziellen Nöten zu kämpfen haben, komme seit den vergangenen Jahren immerhäufiger vor, wie das Team der Schwangerenberatung feststellt.
In dem Fall hilft es, die Finanzen noch einmal gründlich zu überblicken. „Wo kommt Geldher? Gibt es Möglichkeiten zu Kinderzuschlag oder Wohngeld?“, zählt Preuninger auf. „Wir schauen in solchen Fällen auch, wo die Ausgaben sind, und vermitteln gegebenenfalls an die Schuldenberatungsstelle.“
Eltern in existenzieller Not können Hilfe bekommen, etwa durch den diakonischen Fonds, der Gutscheine für Drogerie oder Lebensmittel finanziert, oder durch den kirchlichen Fonds für Familien mit wenig Einkommen.
Sogar Paare, die keine finanziellen Probleme haben, fürchten oft, dem Kind nicht gerechtzu werden. „Von außen kommen so viele Ansprüche. Das Kind muss ins Ballett, in denFreizeitpark und braucht Klamotten“, zählt Preuninger auf. „Da ist es schwer, als Familieden eigenen Weg zu finden. Ich sage den Eltern dann immer: Dem Kind ist der Freizeitpark nicht wichtig. Was zählt, ist, dass sie da sind.“
Schon vor der Geburt können sich Eltern gegen Anspruchshaltungen wappnen. „Man kann sich sagen: ‚Ich muss nicht allem genügen, was von außen kommt. Und egal, wieweit andere Kinder schon in der Entwicklung sind, für mein Kind bin ich die Expertin.‘“
„Ein anderes Thema in unseren Beratungsgesprächen sind Frauen, die ihre Selbstständigkeit verlieren.“ Erziehung sei faktisch noch immer Frauensache, egal, wie laut Gegenbewegungen sind, weiß Preuninger aus Erfahrung. Meistens sind es Frauen, die ihren Beruf und auch sich selbst für die Kinder aufgeben. Hinzu kommt die Angst, vom Partner abhängig zu werden.
„Wir raten sehr dazu, Kindergeld und Elterngeld vollständig auf das Konto der Frau zu überweisen“, sagt Preuninger. „Es sind vielleicht nicht viele Eingaben, aber es gibt den Frauen ein anderes Gefühl, wenn sie sehen, dass zumindest ein bisschen Geld reinkommt.“ Beide Partner müssen verstehen, was der andere für die Familie aufgibt. Dann können sie zusammenarbeiten.
Leider bleibt für Partnerschaft wenig Raum, sobald ein Kind da ist. „Für dieBetreuungsperson, meistens die Frau, ist es schwer, sich nur ein oder zwei Stunden freizuschaufeln“, erklärt Preuninger. „Sie hat einen Vollzeitjob, und wenn der Mann dann nach Hause kommt, ist der Ofen einfach aus.“ Nicht umsonst berichtet das amerikanische Magazin Motherly, dass Mama sein zweieinhalb Vollzeitjobs entspreche.
Soziale Netzwerke wie Omas, Opas, Tanten und Onkel bestehen heutzutage oft nicht mehr so, dass zuverlässig jemand die Kinderbetreuung auffangen kann.
„Das Paar muss sich bewusst Termine machen. Sonst geht die Partnerzeit im Alltagunter.“ Für manche lohne es sich, zu überlegen, nicht doch das Geld für einen Babysitterin die Hand zu nehmen. „Es muss auch nicht alles bleiben wie vor dem Kind. Man darfoffen bleiben für neue Situationen“, sagt Preuninger.
Auch das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat untersucht, was werdende Eltern in Deutschland Sorgen bereitet. Ganz oben auf der Liste stehen die globalen Krisen, Kriege, der Klimawandel und die Frage: Hat das Kind überhaupt eine sichere Zukunft?
„Es gibt Inseln in unserem Alltag, auf denen wir das Positive sehen können“, sagt Preuninger. Mit Inseln meint sie Pausen von der Medienflut, Familienzeit und Spaziergänge zum Spielplatz. „Es hilft, die Welt mal mit Kinderaugen zu sehen und sich wie sie an ganz kleinen Dingen zu erfreuen.“
Näheres zu den Angeboten unter www.diakonie-schwaebisch-hall.de.

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